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Der Rasen unter der Schneedecke

Der Rasen unter der Schneedecke

Wie geht´s dem Rasen im Winter bei möglicherweise minus 20 Grad Celsius und weniger, oder unter dem Schnee? Nun, keine Angst! Die in größten Teilen Europas für Rasenflächen verwendeten Grasarten und -sorten sind voll frostresistent, d.h. sie erfrieren nicht.

Dennoch kann der Winter dem Rasen gehörig zusetzen: gerade unter einer „schützenden" Schneedecke kann er große Probleme bekommen: hier sinken die Temperaturen oft knapp an oder unter den Gefrierpunkt - es ist also eigentlich verhältnismäßig „warm". Solange der Schnee sehr locker und luftporenreich ist, passiert dem Rasen nicht viel; wenn der Schnee jedoch sehr lange liegen bleibt, es z.B. öfter auf den Schnee leicht regnet und dann gleich wieder friert, wird der Schnee sehr dicht und bekommt an der Oberfläche womöglich eine Eiskruste. Das führt zu weniger Luft in der Schneeschicht und dies ist wiederum der ideale Lebensraum für bestimmte Pilzformen, wie etwa den „Schneeschimmel" (Fusarium sp.). Schlimm wird die Situation dann, wenn der Schnee betreten wird: selbst einzelne Trittspuren können noch bis weit in das Frühjahr hinein als gelbe Flecken sichtbar sein.

Der Rasen macht keinen Winterschlaf durch wie manche Tierarten, wenngleich alle Lebensfunktionen stark reduziert werden, d.h. er wächst praktisch nicht. Genau das macht ihn aber für die Pilze so verwundbar, weil die entstehenden Schäden nicht „auswachsen". Was kann man vorbeugend gegen die Pilzerkrankungen tun? Es ist wichtig den Rasen gut ernährt aber nicht „gemästet" in den Winter gehen zu lassen was bedeutet, ihn im Herbst insbesondere mit Kalium zu versorgen, aber keine Stickstoffgabe mehr zu verabreichen! Ein regelmäßig „gemulchter" Rasen geht nährstoffmäßig ausgewogen in den Winter. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass der letzte Schnitt mit einem Grasfangkorb durchgeführt wird, damit möglichst wenig Schnittgutreste liegen bleiben, die das Pilzwachstum begünstigen könnten.

Der Rasen soll kurz aber nicht zu kurz geschnitten in den Winter gehen. Allenfalls auf dem Rasen liegendes Laub ist unbedingt rechtzeitig zu entfernen. Neben den Witterungsfaktoren spielen auch die Grasarten und sogar -sorten eine wichtige Rolle, weil zwischen ihnen beträchtliche Anfälligkeiten bzw. Resistenzen gegenüber den Pilzerkrankungen vorliegen können. In manchen Ratgebern wird auch empfohlen, den Schnee vom Rasen zu befreien. Aus meiner Sicht ist das nicht sehr sinnvoll, weil dabei erhebliche mechanische Schäden am Rasen angerichtet werden können und die Bildung einer zwar dünnen aber kompakten Schnee- und Eisschicht erst recht gefördert wird.

Bis vor etwa 25 Jahren ist zum rascheren Abschmelzen des Schnees häufig im zeitigen Frühjahr auf den noch schneebedeckten Rasen „Thomasmehl" gestreut worden. Durch die dunkelgraue bis fast schwarze Färbung des preisgünstigen Thomasmehls wurde von der Sonne mehr Wärme aufgenommen, was den Schee deutlich schneller abschmelzen ließ. Nachdem das Thomasmehl phosphorreich (ca. 15 %) war und weitere Mikronährstoffe wie Eisen, Magnesium oder, Mangan enthielt, wurde dem Rasen damit gleichzeitig eine leichte Düngung verabreicht. Thomasmehl ist (war) etwa 100 Jahre lang ein Nebenprodukt der Stahlindustrie und zwar die fein gemahlene, beim sogenannten Thomasverfahren anfallende Schlacke. Nachdem die Stahlerzeugung auf andere Verfahren umgestellt hat bzw. heute fast ausschließlich phosphatarme Eisenerze verwendet werden, fällt keine Thomasschlacke mehr an.

Ich wünsche Ihnen jedenfalls, dass Ihr Rasen den Schneewinter gut übersteht!

Prof. Karl E. Schönthaler
VIKING Garten-Experte