Im Trend: Seltene und hohe Gräser

Seltene und hohe Gräser

Diesem Beitrag möchte ich ein Zitat von Karl Foerster voranstellen: "Ein Garten ohne Gräser ist grässlich!"

Gräser sind äußerst filigrane Pflanzen von ganz besonderer Schönheit, denen auch wir im Schlosspark Dennenlohe eine große Fläche gewidmet haben. Dank ihrer Vielfalt, ihres Formen- und Blütenreichtums haben sie sich seit Jahren bei uns im Garten einen festen Platz erobert. Ziergräser sind Stauden, welche einen Halm, lange schmale Blätter und Blütenstände in Form von Ähren oder Rispen mit unscheinbaren Blüten haben.

Die Gattung der Gräser umfasst drei Familien: Die Süßgräser (= Poaceae), die Sauergräser (= Cyperaceae) und die Binsengewächse (= Junaceae). Alle drei findet man in Dennenlohe. Gräser können sich sowohl über Samen als auch über Wurzeln im Garten ausbreiten.
Die meisten Ziergräser wachsen horstartig, d.h. Halme und Blüten treiben aus einer Basis aus, welche sich mit zunehmendem Alter verdickt und sich das Gras so ausbreitet. Einige Ziergräser breiten sich hingegen durch Ausläuferwurzeln (= Rhizome) aus, d.h. das Gras bildet längere, unterirdische Wurzeln, die horizontal unter der Erde von der eigentlichen Pflanze wegtreiben - teilweise auch oberirdisch. Diese Wurzeln bilden dann in einiger Entfernung zur Mutterpflanze eine neue Pflanze aus. Der Bambus ist ein Gras, welches Rhizome ausbildet und sich so ausbreitet. Bei stark wuchernden, Rhizomen ausbildenden Ziergräsern sollte man eine Rhizomen-Sperre zur Eindämmung dieser Ausläuferwurzeln einbauen, so wie wir das auf unserer Bambusinsel angelegt haben.

Ziergräser bekommt man als bodendeckende Arten aber auch als ornamentale Riesen-Gräser. Durch ihre eleganten Blattlinien und die Formschönheit der Blütenstände zeigen wir die Gräser im Park oft auch als eigenständige Elemente in der Landschaft – denn sie zeigen zu jeder Jahreszeit ein anderes Gesicht und sind außerdem pflegeleicht.

Im Sommer faszinieren die verspielten Blütenstände, im Herbst nehmen golden gefärbte Gräserhalme, die sich im Wind sanft bewegen, unsere Blicke gefangen und im Winter kann man sich an den mit Raureif geschmückten Gräsern erfreuen. Nur im Frühling machen sie Arbeit - hier muss man manchmal zurückschneiden oder Horste trennen, ansonsten sind Gräser absolut pflegeleicht.

Gräser sollten auch in keinem Staudenbeet fehlen. Sie bringen eine grazile Leichtigkeit und Bewegung ins Beet und eignen sich mit ihrer linearen Struktur für formale Gärten, als auch für naturnahe Landschaftsgärten. Sie passen zu Rosen und Stauden wie Astern, Rudbeckien, Helenium oder Heide. Inzwischen sind auch reine Gräsergärten auf dem Vormarsch. Wir haben zum Beispiel mehrere Hügel angelegt, auf denen verschiedene seltene Ziergräser wachsen, die wir auf der Messe in Chantilly in Frankreich diesem Sommer gekauft haben.

Und auch im Präriegarten, der der weiten Landschaft Amerikas nachempfunden ist, sind Gräser nicht wegzudenken. Zusammen mit der Stauden-Sonnenblume (Helianthus), der Prachtkerze und dem Eisenkraut ergibt sich ein herrliches Gesamtbild.


Baron Robert von Süsskind
VIKING Garten-Experte