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Marillenspalier: Erziehung und Schnitt

Marillenspalier: Erziehung und Schnitt

Die Marille, vielfach auch unter dem Namen Aprikose bekannt, ist auf Grund der klimatischen Gegebenheiten vorwiegend an geschützten Hauswänden anzutreffen. Marillenspaliere werden oft an ost-, süd- und westseitigen Hauswänden angepflanzt. Besonders zu empfehlen ist die Westseite. Wichtig ist aber, dass der Regen weder in die Blüte noch auf die Blätter vordringen kann und die Marillen vor kalten Winden geschützt sind. Durch die Wärmeabstrahlung der Hausmauer kann man davon ausgehen, dass es hier um ein bis zwei Grad wärmer ist als die Lufttemperatur.

Pflanzung
Eine fachgerechte Spaliererziehung ist für den späteren Ertrag und vor allem für die Qualität der Marille ein wesentlicher Faktor. Am besten pflanzen wir die Marille im Spätherbst. Für das spätere Anwachsen ist die wichtigste Voraussetzung aber, dass das Holz der Bäume gut ausgereift ist. Das größte Problem bei den Jungbäumen ist, dass sie zu früh in der Baumschule gerodet werden. Solche Bäume überstehen den Winter in manchen Gebieten Europas oft nicht. Marillenbäume sollten deshalb nicht vor Ende Oktober  in der Baumschule gerodet werden. Das Material ist dann ausgereift und kann den Winter problemlos überstehen.

Fachgerechte Erziehung
Im Frühjahr ist der Pflanzschnitt durchzuführen. Mit dem ersten Schnitt wird der Grundstein für den späteren Kronenaufbau gelegt. Es werden ein Mitteltrieb und zwei Leitäste benötigt. Die Leitäste stehen links und rechts zum Mitteltrieb in einem Winkel von 45 Grad. Zu steil abstehende Leittriebe werden gespreizt und zu flach stehende werden im richtigen Winkel zum Mitteltrieb gebunden. Leittriebe werden in der Regel in die Hälfte bis zwei Drittel der Länge auf ein außenstehendes Auge zurückgeschnitten. Die Länge der zurückgeschnittenen Leittriebe sollte maximal 30 bis 40 Zentimeter betragen. Der Mitteltrieb wird ca. 10 Zentimeter, etwa eine Handbreite, länger belassen. Die Leitäste werden jedes Jahr, bis der Baum seine endgültige Länge erreicht hat, eingekürzt und auf den verbleibenden Leitästen werden die Fruchtäste herangezogen. Konkurrenztriebe werden zur Gänze entfernt.

Die Marille fruchtet am einjährigen Holz. Jungtriebe, die im Vorjahr gewachsen sind, bringen im nächsten Jahr Blüten und Früchte. Einjährige Langtriebe werden am Spalier entfernt. Die einjährigen Kurztriebe werden in der Regel eingekürzt, um ein besseres Blattfruchtverhältnis zu erzielen. Alle 10 bis 15 Zentimeter ein Trieb ist ausreichend. Daher werden die überfälligen Triebe auf ein Auge zurückgeschnitten. Aus dieser Knospe entwickelt sich im Laufe der Vegetationszeit ein Jungtrieb. Verkahlungen kann man so sehr gut vorbeugen und verhindern.

Schnittzeitpunkte
Beim Erziehungsschnitt ist es unbedingt erforderlich, dass der Mitteltrieb, die Leitäste und die Fruchtäste nur beim Winterschnitt zurückgeschnitten werden. Die Stärke des Rückschnittes ist stets von der Entwicklungsstärke des Leittriebes abhängig. Je schwächer ein Leittrieb gewachsen ist, umso stärker muss der Rückschnitt erfolgen. Je stärker ein Leittrieb gewachsen ist, umso schwächer muss dieser zurückgeschnitten werden. Bei der Erziehung brauchen wir Wachstum. Ein stärkeres Triebwachstum erreichen wir dann, wenn die Triebe vor dem Austrieb geschnitten werden. Leittriebe müssen mindestens auf einer Schnittebene (Saftwaage) eingekürzt werden. Der Mitteltrieb sollte eine Handbreite länger sein als der Leittrieb. Der ideale Schnittzeitpunkt ist idealerweise kurz vor Vegetationsbeginn. Bei Bäumen, die die Erziehungsphase abgeschlossen haben, kann man auch noch in der Blüte die Triebe zurückschneiden. Ein zu früher Rückschnitt könnte in den Wintermonaten zu Ausfällen führen.

Sommerschnitt
In Jahren, in denen es durch Blütenfrost zu Ausfällen kommt und sich das Triebwachstum entsprechend stark entwickelt, sind die starken Triebe bereits ab Mitte August zu entfernen. Das Triebwachstum wird im kommenden Jahr dadurch verhaltener ausfallen.

Pinzieren der Marille
Die Marille fruchtet, wie bereits erwähnt, am einjährigen Holz und zwar am Kurztrieb oder am letzten Drittel eines Langtriebes. Daher werden Triebe, sobald sie 10 bis 12 neue Blätter entwickelt haben, auf 4 bis 8 Blätter eingekürzt. Nicht mitgezählt werden Blätter an der Blattbasis (Blattrosetten). Folglich entwickeln sich die Blüten am ersten Drittel des Triebes und nicht am letzten Drittel.

Bilden sich mehr als 12 Blätter und man schneidet den Trieb zu spät zurück, so kann es passieren, dass keine Blüten mehr ansetzen können. Also nicht das Monat, sondern der Entwicklungsstand ist entscheidend für das Pinzieren. Das wird je nach Lage und Witterung im Mai und im Juni stattfinden. Nicht pinziert werden dürfen Mitteltriebe und Leittriebe, denn diese sind für den Kronenaufbau und nicht für den Fruchtertrag zuständig. Das Pinzieren kann aufgrund der unterschiedlichen Triebentwicklung nicht in einem Arbeitsgang erfolgen. Eingekürzt werden die Triebe mit einer Baumschere. Auf keinen Fall darf man die Triebe abknicken und am Baum hängen lassen, dies fördert nämlich Krankheiten. Der Neuaustrieb kann ca. Ende August noch einmal auf zwei Blätter eingekürzt werden, sofern es sich nur um einen leichten Austrieb handelt. Bei einem starken Blütenansatz kann dies auch beim Winterschnitt miterledigt werden.

Werden die Triebe gewissenhaft pinziert, so ist im Frühjahr nur mehr ein Korrekturschnitt erforderlich, der sich in der Hauptsache auf das Auslichten und Entfernen von Totholz beschränkt.

Ing. Manfred Putz

VIKING Garten-Experte

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